Architektur & Architekten

Weimar, Schloss Belvedere
Weimar, Schloss Belvedere

Durch unsere Tätigkeit stoßen wir immer wieder auf mehr oder weniger berühmte, aber vor allen Dingen interessante Architekten und ihre Bauten.
Unsere Favoriten möchten wir Ihnen in Wort und Bild vorstellen.

Renaissance

Nickel (Nickolaus) Gromann (um 1500 – 1566)

berühmter Renaissancebaumeister in Mitteldeutschland.

Er stand über 30 Jahre im Dienste der ernestinischen Kurfürsten und Herzöge. 1543 wurde er zum landesfürstlichen Baumeister ernannt. Gromann hat unzählige Baustellen in den ernestinischen Ländern betreut. Neben Schlössern hat er auch ein Rathaus, Kirchen, Befestigungsanlagen, Straßen und Brücken gebaut.

Bauten:

  • Schlosskirche, Torgau (erster Kirchenneubau der Reformation)
  • Umbauten auf der Veste Coburg, Coburg
  • Schloss Ehrenburg, Coburg
  • Torgebäude, sog. Bastille mit Schmuckportal des Weimarer Schlosses
  • Cranachhaus, Weimar
  • Rathaus, Altenburg

Barock

Giovanni Bonalino (1575 – ?)

Graubündner Baumeister, tätig u. a. in Franken und Thüringen

Neben Giovanni Bonalino werden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts häufig dessen Bruder Giacomo und Lazaro Agostino genannt.

Nach Weimar wurde Giovanni Bonalino nach dem Brand des Stadtschlosses am 2. August 1618 gerufen. Herzog Johann Ernst d. J. verpflichtete ihn, der bis dahin beim Bamberger Bischof unter Vertrag stand, für den Wiederaufbau.

1623 bis 1627 ließ Herzog Johann Casimir Schloss Ehrenburg nach Plänen des Italieners Giovanni Bonalino zu einem geschlossenen Geviert erweitern.

Bauten:

  • Schloss Callenberg (bei Coburg) – Zuschreibung
  • Schloss Ehrenburg (Coburg)

Johann Moritz (II.) Richter (1647 – 1705)

Baumeister; Mitglied der im 17. und 18. Jahrhundert bekannten Thüringer Künstlerfamilie Richter

Über zwei Jahrhunderte rekrutierte sich die Mehrzahl der Baumeister und Maler des Weimarer Hofes aus dieser Familie. Johann Moritz (II.) Richter übernahm 1667 – erst zwanzigjährig – des weimarischen Landbaumeisters von seinem Vater. Er hatte es bis 1683/84 inne. Nach seiner Weimarer Dienstzeit baute er in Zeitz, Weißenfels, Eisenberg, für den brandenburgischen Markgrafen in Bamberg, später in Erlangen usw.

Bauten:

  • Schloss Moritzburg, Zeitz
  • Schloss Neu-Augustusburg, Weißenfels
  • Teile der Stadtschlossanlage, Weimar

Gottfried Heinrich Krohne (1703 – 1756)

deutscher Barockbaumeister

Er war Hofbaumeister der Herzöge von Sachsen-Weimar(-Eisenach). Während seiner Anstellung arbeitete er jedoch auch für zahlreiche andere Fürsten der thüringischen Kleinstaaten und übernahm genauso Aufträge in Nordfranken. Seine umfangreichsten Planungen beschäftigten sich mit dem Neuaufbau der Stadt Ilmenau, die 1752 durch einen Stadtbrand vollständig zerstört wurde.

Bauten:

  • Stadtschloss, Eisenach
  • Stadtschloss, Weimar
  • Schloss Heidecksburg, Rudolstadt
  • Schloss Friedenstein, Gotha
  • Orangerie, Gera

Klassizismus

Clemens Wenzeslaus Coudray (1775 – 1845)

Architekt und Stadtplaner des Klassizismus

Coudray war ein bedeutender Architekt und Stadtplaner des Klassizismus in Fulda und Weimar. 1799 begann er in Berlin zu studieren, brach jedoch nach kurzer Zeit ab. Nach einem Wechsel in die französische Hauptstadt studierte er ab 1800 in Paris an der École Polytechnique bei Jean Nicolas Louis Durand (1760-1834).

1804-1816 war Coudray Hofarchitekt und Professor am Lyzeum in Fulda, bevor er am 20. April 1816 sich in Weimar als Großherzoglicher Oberbaudirektor verpflichten ließ.

Bauten:

  • Bürgerhaus (heute Jugendzentrum Mon Ami am Goetheplatz), Weimar
  • Fürsten-Gruft, Weimar
  • Westflügel des Stadtschlosses, Weimar
  • Wagenremise am Theaterplatz (heute Bauhaus-Museum), Weimar

Historismus / Eklektizismus

Josef Zitek (1832 – 1909)

böhmischer Architekt, Vertreter der Wiener Neuen Renaissance und der späten norditalienischen (Neo)Renaissance

1846 wurde Weimar an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Damit entstand im Norden Weimars ein neues Stadtviertel. Architektonischer Höhepunkt sollte nach den Vorstellungen des Großherzogs Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach ein Museumsgebäude sein.

Die Pläne für diesen ersten rein musealen Zweckbau Thüringens, der 1864-1868 ausgeführt wurde, entwarf Josef Zitek.

Hauptzweck des Museumsbaus war zunächst die Präsentation des Odyssee-Zyklus des Malers Friedrich Preller. Bald wurde jedoch die großherzogliche Sammlung bildender Kunst in das Museumsgebäude überführt. Noch heute befindet sich im zentralen Treppenhaus eine überlebensgroße Sitzstatue Goethes nach einem Entwurf Bettina von Arnims.

Bauten:

  • Neues Museum, Weimar
  • Nationaltheater, Prag (Wiederaufbau nach Brand von Josef Schulz) Rudolfinum, Prag
  • Mühlenkolonnade, Karlsbad

Moderne / 20. Jahrhundert

Architekturbüro Jakob Heilmann & Max Littmann

  • Max Littmann (1862 – 1931), deutscher Architekt.
    Littmann studierte an der Gewerbeakademie Chemnitz und der Technischen Hochschule Dresden. 1885 zog er nach München. Nach Studienreisen nach Paris und Italien arbeitete er als freischaffender Architekt. Später wurde er Teilhaber im Baugeschäft seines Schwiegervaters Jakob Heilmann. Sein Arbeitschwerpunkt war der Entwurf von Theatern, Kaufhäusern. Am bekanntesten wurde das von ihm entworfene Münchner Hofbräuhaus. Doch seine bedeutendste Leistung war die Reform des Bühnenbaus.
  • Jakob Heilmann (1846 – 1927), deutscher Bauunternehmer.
    Jakob Heilmann besuchte die Baugewerkschule in München und legte mit 19 Jahren die Baumeisterprüfung ab. Später ging er nach Zürich an das Polytechnikum. Wirkte in Aschaffenburg, um schließlich in Berlin in das Meisteratelier des Schinkel-Schülers Martin Gropius und in die Berliner Bauakademie einzutreten. Schwerpunkte seiner Tätigkeit in Süddeutschland lagen zunächst im Eisenbahnbau, im Laufe der Zeit jedoch im Hochbau (Einfamilienhaus- und Villenbau, Großbauten).

Bauten:

  • Großherzogliches Hoftheater, Weimar
  • Südflügel Residenzschloss, Weimar
  • Schillertheater, Berlin Charlottenburg
  • Prinzregententheater, München
  • Hofbräuhaus, München

Rudolf Zapfe (1860 – 1934)

Weimarer Architekt

Rudolf Zapfe ist ein noch nicht ausreichend gewürdigter Weimarer Architekt. Um die Jahrhundertwende entwarf er anspruchsvolle Jugendstilbauten u. a. viele Villen mit überschwenglich gestalteter Fassade. Allein in der Cranachstraße ließ Zapfe zwischen 1903 und 1906 sieben Stadtvillen errichten, z. B. das Haus Cranachstr. 9. Dessen ausgeprägte florale Fassadenornamentik war möglicherweise Wunsch des Bauherrn Josef Friedrich Nicolaus Bornmüller, einem namhaften Orientbotaniker. Die Sankt-Michaelis-und-aller-Engel-Kirche wurde 1899 für die anglikanische Gemeinde errichtet; das Bauland hatte der Großherzog zur Verfügung gestellt. Im 1. Weltkrieg wurde das Gotteshaus geplündert und beschädigt. Heute gehört es der evangelischen Gemeinde.

Bauten:

  • Sankt-Michaelis-und-aller-Engel-Kirche (seit 1927 Kreuzkirche), Weimar
  • „Hansahaus“, Weimar
  • Lichtspielhaus, Marktstr. 20, Weimar

Henry van de Velde (1863 – 1957)

belgischer Architekt und Designer, einer der vielseitigsten Künstler des Jugendstils/Art Nouveau

1882 begann van de Velde sein Studium der Malerei an der Akademie der Schönen Künste in Antwerpen. Zehn Jahre später begann seine intensive Beschäftigung auf dem Gebiet des Kunstgewerbes, seine theoretische Arbeit spiegelte sich in ausgedehnter Vortragstätigkeit.

1902 zog er nach Weimar, wo er am 1. April als künstlerischer Berater für Industrie und Kunsthandwerk seinen Dienst aufnahm. Im Oktober 1902 wurde das Kunstgewerbliche Seminar (ab 1907 Kunstgewerbeschule) eröffnet. Über 10 Jahre später nahm er als Leiter der Kunstgewerbeschule seinen Abschied (25. Juli) und verließ 1915 Weimar.

Bauten:

  • Villa Esche, Chemnitz
  • Villa Schulenburg, Gera
  • Haus Hohe Pappeln, Weimar
  • „Bücherturm“ – Universität Gent, Belgien

Ernst Neufert (1900-1986)

Architekt, Verfasser der „Bauentwurfslehre“

Neufert kam 1917 an die Baugewerbeschule Weimar. 1919 wechselte er als einer der ersten Studenten an das Bauhaus in Weimar. Im Anschluß an sein Studium sammelte er vielfältige Erfahrungen in einem der renommiertesten Architekturbüros der Weimarer Republik in Weimar und Dessau. 1926 kehrte er wieder nach Weimar zurück und lehrte an der dortigen Bauhochschule (Nachfolgeeinrichtung des Bauhauses). Früh erkannte Neufert die Rationalisierungsmöglichkeiten im Bauwesen und den Bedarf normativer Grundlagen. Unter Albert Speer wurde Neufert Reichsnormungsbeauftragter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1945 zum Professor für Baukunst an der Technischen Hochschule Darmstadt berufen. 1974 gründete er ein Architekturbüro.

Bauten:

  • Mensa am Philosophenweg, Jena
  • Abbeanum, Jena
  • Wohn- und Atelierhaus, Weimar-Gelmeroda
  • Quelle-Großversandhaus, Fürth

Georg Muche (1895 – 1987)

deutscher Maler und Grafiker.

Mit 17 Jahren und ohne Schulabschluß ging Muche nach München, um bei Anton Azbé Malerei zu studieren. Nach einem Jahr (1914) ging er nach Berlin und fand dort Kontakt zur Gruppe um Herwarth Waldens Galerie „Der Sturm”. 1920 wurde er von Walter Gropius ans Bauhaus nach Weimar berufen und blieb bis 1927 als Lehrmeister.

Bauten:

  • Musterhaus am Horn 61

Thilo Schoder (1888 – 1979)

deutscher Architekt.

Von 1907 bis 1911 studierte Schoder Innenarchitektur an der Kunstgewerbeschule Weimar. Zwei Jahre (1912-14) war er als Mitarbeiter im Architekturbüro Henry van de Velde, jedoch endete das Arbeitsverhältnis durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges. Ab 1916 wurde Schoder für die Firma Golde als künstlerischer Beirat tätig und siedelte nach Gera über. Er faßte in Gera Fuß und gründete 1919 ein Architekturbüro, blieb jedoch weiter in der Kunstgewerbeproduktion tätig. Die Weltwirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre beendete die erfolgreiche Entwicklung von Schoders Architekturbüro. Schließlich emigrierte Schoder 1932 mit seiner Familie nach Norwegen.

Bauten:

  • Haus Drange, Kristiansand, Norwegen
  • Haus Ernst Dautert, Erfurt
  • Seidenfabrik Schulenburg & Bessler, Gera
  • Villa „Tuskulum“ – Haus für Arthur und Hildegard Lessner, Weimar  
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